Lothar Rehse, 22. März 2026
Vor ca. einem Jahr habe ich schon einmal erläutert, dass wir im Umweltausschuss darüber nachdenken, für den Ortskern (sprich: im ersten Schritt die Gemeindegebäude und umliegende Großverbraucher) eine Nahwärmeanlage auf Hackschnitzelbasis zu errichten. Jetzt haben wir dank des Einsatzes von GR Michael Gruber ein Angebot der Fa. Bioenergie NÖ am Tisch: die bieten der Gemeinde an, eine Hackschnitzelheizung im alten Feuerwehrhaus zu errichten und von dort die Gebäude im Ortskern mit Warmwasser zu versorgen. Für die Gemeindegebäude fallen nur Anschlusskosten in Höhe von ca. € 200.000,- für 326 kWh Anschlussleistung und indexangepasste Verbrauchskosten von ca. € 60.000,- für ca. 450 MWh/a angenommene Wärmelieferung pro Jahr an. Die Gemeinde wird sich für einen gewissen Zeitraum zur Abnahme einer definierten Wärmemenge verpflichten müssen, sie spart – Stand heute – pro Jahr ca. € 13.000,- gg. EVN-Gas ein.
Im der nächsten Gemeinderatssitzung am 24. März 2026 wird darüber abgestimmt und ich möchte gern erläutern, warum wir uns mit der Entscheidung so schwer tun.
Ich hätte mir gewünscht, dass wir in Maria Anzbach ein modernes Anergienetz errichten (‚kalte Nahwärme‘, versorgt über ein Leitungsnetz Gebäude mit Energie aus Geothermie oder Abwärme, das niedrige Temperaturniveau von ca. 10 Grad C wird über Wärmepumpen in den einzelnen Gebäuden zum Heizen und Kühlen verwendet). Leider ist die Förderlandschaft in Österreich (aber auch der EU) aktuell von anderen Interessen dominiert, sodass dies auf absehbare Zeit keine Perspektive hat. Andererseits sind die Förderungen zur Verbrennung von Holz aktuell noch so attraktiv, dass wir kaum umhinkommen, uns damit zu beschäftigen.

Grundsätzlich ist Holz ein fantastischer Rohstoff. In Österreich wächst mehr nach als verbraucht wird (ca. 30 Mio. Festmeter wachsen nach, ca. 20 Mio. Festmeter werden geschlägert, ca. 6,4 Mio. Festmeter werden importiert /s. www.statistik.at für 2022/) und Holz liefert schon in der Entstehung Nutzen, der uns Menschen gut tut: Holz speichert CO2, Bäume spenden Schatten, gestalten unsere Landschaft und sie tun uns einfach auf vielen Ebenen gut.
Holz ist aber auch nach der Schlägerung (wichtig zu unterscheiden: es gibt Nutzholz oder Forstholz, und es gibt Bäume, die in unserer Kulturlandschaft auf vielfältige Art Nutzen stiften und entsprechend gepflegt und erhalten werden sollten – s. Diskussion um den Grafenhauspark) ein nützlicher und für unsere Sinne schöner Rohstoff.
Nutzholz wird nun vielfältig weiterverarbeitet, von Kunstwerken und Spielzeug bis hin zu Möbeln, Gebäuden, als Bauholz, zur Zierde oder als Schutz gegen Wetter und Regen. Am Ende wird Holz auch noch als Dämmmaterial, als Rohstoff für Stoffe, Papier und Kartonagen und als Brennmaterial genutzt. Idealerweise wird aus wirtschaftlichen Gründen eine sog. kaskadische Nutzungskette aufgebaut, so dass der Nutzen möglichst lange auf dem jeweils höchsten Niveau stattfindet, der ‚Rest‘ aber als Input für den nächsten Prozessschritt genutzt wird – z.B. Säge- oder Durchforstungsreste für die Heizung.
Hier beginnt allerdings die Kritik an der Entwicklung: In Österreich ist frisch geschlägertes Holz aus Bulgarien, Rumänien, Polen und Russland billiger als die Aufarbeitung von Holzresten beim Schlägern – am Markt, d.h. für den Kunden. Im Ergebnis wird dadurch für jeden auch noch so regional erzeugten Kubikmeter zusätzliches Holz ein Kubikmeter frisches Holz in Rumänien, Russland oder Bulgarien geschlägert und importiert – bilanziell. Anders ausgedrückt: in Österreich werden ca. 20 Mio. Festmeter Holz pro Jahr geschlägert, es wachsen ca. 30 Mio. Festmeter pro Jahr nach, von Jan bis Jul 2025 wurden 3,2 Mio. Festmeter importiert. Wir müssen uns entscheiden, ob wir es verantworten können, diese Quote noch zu erhöhen – einige von uns sagen hier eindeutig: nein!
Ein zweites Thema ist die Verbrennung selbst: wenn ich Holz erst vergase und einen Motor antreibe (und über einen Generator Strom erzeuge), bekomme ich insgesamt mehr Energieausbeute, habe allerdings etwas weniger Wärmeertrag – ohne Förderung steigt man hier schlechter aus (wenn man in erster Linie Wärme verkaufen will!). Auch kann ich einen chemischen Prozess vor die Verbrennung schalten: diese sog. Pyrolyse entzieht dem Holz weitgehend das CO2 (und speichert es in ‚Holzkohle‘, die ich wieder zur Bodenverbesserung nutzen kann). Leider entzieht auch dieses Verfahren dem Prozess ca. 10% Energie und ist damit für den ‚Wärmeverkäufer‘ uninteressant – der ‚Verkauf‘ von Kohle ist scheinbar ein anderes Geschäft und Bodenverbesserung ein anderes Thema. Hier wären mutige politische Entscheidungen auf anderen Ebenen gefragt. Wir können einen ‚Provider‘ nur bitten, in der Planung so flexibel zu bleiben, dass beide Technologien allfällig durch einen anderen Betreiber ergänzt werden können – zu gegebener Zeit.
Also sind wir zum dritten Mal dabei, die Entscheidungen für eine biomassebasierte Nahwärmeversorgung in Maria Anzbach vorzubereiten. In der aktuellen Vorlage (der Bioenergie Niederösterreich) soll das alte Feuerwehrhaus als Standort dienen, die Anlieferung würde über den Parkplatz abgewickelt. Die Idee ist technisch gesehen sehr vernünftig (kurze Lauflängen für die einzugrabenden Rohre). Skeptisch wäre ich beim Schwerverkehr für die Anlieferung und natürlich den Emissionen der Verbrennung mitten im Ort. Man holt sich damit einen Brennpunkt, der immer wieder für Gesprächsstoff sorgen wird. Ich würde mir hier eine offene Standortdiskussion unter Einbindung der Bevölkerung wünschen – dazu müssten die Entscheidungskriterien transparenter kommuniziert werden.
Grundsätzlich erscheint der aktuelle Ansatz sehr interessant. Und wenn es in der Umsetzung gelingt, die Flexibilität ein wenig stärker zu verankern, als das bisher geschehen ist, stehe ich dem Projekt sehr positiv gegenüber. Leider liegen seitens der Gemeindeleitung keinerlei Ansätze vor, wie die Energieeffizienzrichtlinie umgesetzt werden soll. Diese besagt, dass alle öffentlichen Gebäude bis 2040 auf einen Energiebedarf von max. 30 kWh/qm/a saniert werden müssen – und das funktioniert sicher nicht, wenn nicht wenigstens mit Planung und Budgetierung bald einmal begonnen wird. Der angenommene Wärmebedarf erscheint mir ohne weitere Maßnahmen um Häuser zu hoch – mir erschließt sich derzeit nicht, wie das ausgeglichen werden soll (wohin soll die Wärme dann geliefert werden?). Ich verstehe daher alle Verantwortungsträger, die dem Projekt nicht uneingeschränkt zustimmen. Es besteht Diskussionsbedarf!